Grundsätzlich

Deine Augen sehen müde aus,
sie schauen müde auf
und sehen mich und dich und das was von uns übrig ist.

Ich frage dich, ob alles in Ordnung ist, ist denn alles in Ordnung
und du sagst „Grundsätzlich, ja“
Grundsätzlich ist eines von diesen Wörtern das man von Telefonhotlines hört,
wenn nichts mehr geht.
„Grundsätzlich ist Ihre Leitung in Ordnung.“
Ein Wort, das man nach einem Unfall von seiner Versicherung nicht hören will.
„Grundsätzlich wird der Schaden bezahlt.“
Grundsätzlich zahlt man am Ende immer drauf.
Ich habe mir vorgenommen dir solche Fragen nicht mehr zu stellen,
dich nichts mehr zu fragen, denn grundsätzlich haben wir ein technisches Problem.
Unsere Kommunikation ist wie Morsezeichen für die keiner von uns den Code kennt, wie eine neue Sprache, die noch nicht übersetzt wurde, damit wir sie verstehen.
Es gibt keine Hotline die ich anrufen kann, wenn es mit dir ein Problem gibt. Wenn die Leitung tot scheint.
Keine Versicherung die mir den Schaden ersetzt, die Scherben beseitigt.
Wozu auch.
Grundsätzlich ist ja alles in Ordnung.
Also, laufen wir weiter barfuß über die Scherben, ignorieren den Schmerz, stechen uns die Dolche gegenseitig tief ins Herz.

Und ich sehe deine Augen an
sie sehen müde aus
sie schauen müde auf
und sehen mich und dich und das was von uns übrig ist.

Laufen wir weiter über unsere Mienenfelder, durch Salven verletzender Worte
Weil keiner von seinem scheiß Standpunkt abrückt.
Laufen wir weiter und weiter, denn zu zweit geht es leichter als ganz allein.
Und dein Blick irrt durch den Tag,
weil du den Durchblick verloren hast und mich zu deinem Späher machst,
bei Nacht und Nebel.
Grundsätzlich ist es Vertrauen.
So lange wie ich den Weg finde und wir heil ans Ziel kommen.
Du hast oft davon gesprochen wo du ohne mich wärst und nach langen Pausen sagtest du „Definitiv nicht hier!“
Ich mochte das Definitiv immer lieber als Grundsätzlich, weil es so endgültig ist, nach Entscheidung klingt, nach Emotion die mir sagt „das ist richtig und das ist falsch!“
Etwas an das ich mich halten kann.
Doch haltlos wurde alles immer mehr.
Du übergabst mir das Steuer auf unserem Weg und eines Tages sagtest du „Grundsätzlich hast du den Kurs gehalten, nur war es die falsche Richtung!“
Jeder Vorschlag wurde zu einer Sackgasse, jede Lösung zu einem Problem.
Man kann sich nicht fallen lassen im organisierten Leben, doch ziellos wird es zum Freien Fall.
Deine Zerrissenheit zerteilte mich in tausend Stücke und der geringste Windstoß von dir machte ein Menschenpuzzle aus mir, das niemals ein Bild ergab.
Du konstruiertest Welten die du in Brand stecktest um wie Phoenix aus der Asche neue zu erbauen. Du warst so sehr mit deiner Erbauung beschäftigt, dass ich zum Pilger wurde und du zu meiner Klagemauer.
Ich habe dir so viel Freiheit gegeben, dass du mir meine nehmen musstest, damit du dich nicht verlierst.
Ich hab dich so viel du selbst sein lassen, dass es bald kein Ich mehr gab.
Uns, das warst Du & Du und ich hielt nur die Streichhölzer.

Und ich sehe deine Augen an
sie sehen müde aus
sie schauen müde auf
und sehen mich und dich und das was von uns übrig ist.

Ich habe dir tausendundeinen Weg gezeigt und mich selbst dabei verlaufen.
Ich habe dir alles gegeben, nichts genommen und viel verloren.
Ich habe nie Erwartungen an dich gestellt und selbst die hast du enttäuscht.
Ich habe verzweifelt die Hotline angerufen für unser Problem, doch es ging nie jemand ran.
The Person you have called will never be available again.

Ich will in deine Augen sehen,
doch sie schauen nicht mehr auf,
sehen nicht mehr müde aus,
sehen weder mich noch dich noch uns,
weil davon nichts mehr übrig ist.

Und du fragst, ob es denn jemals Liebe war und ich sage „Grundsätzlich, ja, definitiv!“