
Ich wurde an einem stürmischen und verregneten Tag im November geboren (Windgeräusche), nein, so richtig stürmte es gar nicht und eigentlich nieselte es nur so vor sich hin (Nieselgeräusche), obwohl, ich glaube es war eher diesig statt nieselig (diesige Geräusche?). Ich glaube, das Wort gibt es gar nicht.
Es ist doch immer wieder erstaunlich wie sehr sich die kleinen, feinen Details in Geschichten ändern, wenn sie über Jaaaaaahre hinweg erzählt werden. Tatsache ist; ich wurde geboren. Mein größter Erfolg. Bis jetzt... Juhu
Im Krankenhaus waren scheinbar alle nett zu mir. Ich war aber auch ein süßes Baby.
Hab mich relativ normal entwickelt und das gelernt, was Kleinkinder so lernen; laufen, reden (hab ich weniger gemacht), aber vor allem schreiben! Konnte wohl mit sechs Jahren noch nicht mit meiner linken Hand meine Nase berühren, wurde dann mit sieben eingeschult. War OK, Schule war eh öde. In Deutsch war ich ganz gut, in Mathe ne Niete. Ist ja auch kein Wunder, ne Zahlenreihe ergibt noch lange keinen Satz.
Eigentlich hatte ich damals schon beschlossen vom Schreiben zu leben, aber keiner wollte meine erste Geschichte haben. War auch eher ne Bildergeschichte. Es handelte von einem Pferd, einem Wolf und einem Marienkäfer im Wald. Was die da gemacht haben, weiß ich nicht mehr und ne Handlung hatte die wohl auch nicht. Eigentlich hab ich auch nur immer das Pferd gemalt, der Rest hat aus dem Off gesprochen, aber in meinem Kopf hat das Sinn gemacht.
Ich nannte sie „Das Pferd, der Wolf und der Marienkäfer im Wald“.
Ich glaub, es lag am Titel. Um nicht zu verhungern, beschloss ich was Richtiges zu lernen. Etwas, das soliden Boden hat. Irgendwas mit Zahlen oder so. Also, machte ich eine Lehre zur Bürokauffrau im Fegefeuer der Kundenwerbeprämien. Das Telefon und ich wurden die besten Freunde; so dachte das Telefon. Für mich war es eine Hass-Liebe zwischen Kunst und Kommunikation.
Jaaa, Einsamkeit wo warst du nur all die 3 Jahre. Wenn ich nicht hier bin, bin ich am Headset. Der Teufel streckte seine langen, kalten Finger nach mir aus und wollte mich dazu bringen, meine Seele an den Versandhandel zu verkaufen. Muaahh
Ich fragte den Teufel „Was krieg ich denn dafür?“
Er sagte „Frag lieber, was du dann nicht bekommst?“
Er wollte schon mit High-Five einschlagen, aber der Geruch von Schwefel und Äther lies mich zögern. Der Deal war aber auch echt mies. Ich lehnte ab. Rechne jetzt jeden Tag damit irgendwas mit Äther zu bekommen.
Danach begann das Jahr des Scheiterns, danach folgten zwei Jahre des weiteren Scheiterns, nur in einer neuen Umgebung.
Wenn ich nicht hier bin, bin ich gescheitert.
Aus der Hölle wieder ausgespuckt, bekam ich einen neuen Job mit noch mehr Zahlen und noch mehr Telefonen. Gottes Humor ist groß. Wenigstens keinen Äther.
Beschloss mein Abi nachzuholen, mach ich immer noch, in Deutsch bin ich gut, in Mathe noch immer ne Niete, es gibt Dinge die ändern sich nie, und einfach zu schreiben.
Meine neue Geschichte: „The Resurrection of the Pferd, the Wolf and the Marienkäfer in the new world order of the wood – (Untertitel) Nichts als Holz“
Leb immer noch von der Hand in den Mund, aber hey, das ist OK, ich hab ja eine. Zwischen dem ganzen Abi- und Geschichtenschreibstress genieß ich einfach mal ... was der wohl meinte, mit, frag lieber, was du dann nicht bekommst???
Und wenn ich nicht hier bin, dann bin ich woanders und freue mich über Post mit Buchstaben und so.
Das Pferd; der Wolf; der Marienkäfer – Holz!
... auch wenn`s schwer fällt!
- Veröffentlichung im "Punchliner Nr.8", Oktober 2011
- Veröffentlichung "Der Heidewanderer - Allg. Zeitung Uelzen", 2011
- 4. Platzierte bei den Hamburger Stadtmeisterschaften 2011
- Slam-Heidekönigin Uelzen, August 2011
- Teilnehmerin bei den Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2010
- 3. Platzierte bei den NRW-Meisterschaften 2010
- Vizestadtmeisterin bei den Hamburger Stadtmeisterschaften 2010
- Veröffentlichung im "Punchliner Nr.7", Oktober 2010
- Veröffentlichung in der "Zettelwirtschaft", August 2010
- Hörbuch "Die Liebenden" publiziert, Juni 2010
