Heidekönigin & HH-Stadtmeisterschaften

Uelzen. Im ersten Moment denkt man da an gar nichts. Im nächsten Moment auch noch an nichts und dann unter Umständen an den Hundertwasser-Bahnhof. Aber bevor man ein Bild davon im Kopf hat, denkt man darüber nach, was für `nen abgefahrenen Namen der Künstler doch hat. Friedensreich Hundertwasser. Der konnte ja nur Künstler werden. Stelle mir vor, der wäre was anderes geworden, zum Beispiel Automechaniker. "Herr Friedensreich Hundertwasser kümmert sich gleich um Ihren Vergaser." Habe gerade mal Hundertwasser gegoogelt und festgestellt, dass der nicht so heißen würde, wenn der Automechaniker geworden wäre, denn sein wirklicher Name ist Friedrich Stowasser und sein eigens auferlegter Künstlername ist Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser. Ganz ehrlich, ich bin froh, dass es nicht sein Taufname ist, sonst hätte ich mir Gedanken gemacht. Uelzen. Jetzt denke ich sofort an Heidekönigin. Und wenn ich an Heidekönigin denke, denke ich an mich, während andere Menschen an Jenny Elvers Elbertzhagen denken. Ach, Uelzen, du schöner Ort der kreativen Assoziationsketten. Aber ich weiche ab. Am 12. August war ich also in Uelzen und das nicht ohne Grund. Denn an diesem Tag fand dort der Heide Slam - Das Sprachspektakel statt und ich mittendrin, nachdem ich den Kampf um eine Bahnkarte gewonnen hatte, feststellte dass "Hilfe" nicht jeder versteht und ich den Zug verpasste. Aber jetzt mal zum Wesentlichen. Uelzen, also. Der Slam sollte erst unter freiem Himmel statt finden, aber der entpuppte sich als nicht so frei, sondern verhängte sich mich dichten Wolken, so wurde umorganisiert und wir slammten im Rathaus. War schön. Schönes Rathaus. Sieht von außen eher wie eine Sparkasse mit Eigentumswohnungen aus. Aber drinnen, sehr rathausmäßig. Sven Kamin, der großartige Veranstalter, führte mit Cowboyhut durch einen westernmäßigen Abend, bei dem "Spiel mir das Lied vom Tod" nur einer der begleitenden Lieder für uns Slammer auf dem Weg zur Bühne war. Und tatsächlich "Diese Bühne war zu klein für alle Teilnehmer." Ich schaffte es ins Finale und durfte dieses neben Kersten Flenter und Alex Meyer bestreiten. Das Publikum hatte riesen Spaß und war unheimlich freundlich in den Pausen. Im Finale schaffte ich es auf den Ersten Platz und wurde Heidekönigin. Wollte ich schon immer mal werden. Und damit hatte ich mir dann meine Sporen verdient, um mal im Western-Jargon zu bleiben. Die äußerst schwer sind und sich gleich nach den Fotos vom edlen Holz verabschiedeten. Nach einer kreativen Bastelstunde zu Hause, war alles mit einem Bohrer und ein wenig Draht repariert und nun strahlen die Sporen als einer meiner schwersten Preise von der Wand. Danke, Uelzen, dass ich dich kennenlernen durfte, du kleine, geheimnisvolle Stadt mit dem extraordinären Bahnhof, deinen großartigen Veranstaltungen und sehr netten Menschen.

Am 17. und 18. August war es wieder soweit. Die Hamburger Stadtmeisterschaften. Dieses Mal wurde die Veranstaltung auf zwei Tage verteilt. Die Vorrunden fanden im Kulturhaus 73 statt und versammelten alles Namenhafte auf der Schanze. Von 16 Poeten schafften es 8 ins Finale in den Bunker: Schriftstehler, Robin Isenberg, Thomas Langkau, Bente Varlemann, Tobi Kunze, Mischa-Sarim Vérollet, Viktor Horvath und ich. Knapp 400 Zuschauer hatten im Uebel & Gefährlich ihren Spaß und kührten Bente Varlemann zur Hamburger Stadtmeisterin. Herzlichen Glückwunsch! Mischa-Sarim Vérollet machte den Zweiten Platz, Viktor Horvath den Dritten und Schriftstehler, der Hamburger Stadtmeister des letzten Jahres, und ich machten zusammen einen Punktgleichen Vierten Platz. Nun sind alle Meisterschaften durch, alle Startplätze vergeben und dann kann es auch bald losgehen mit den Deutschsprachigen Meisterschaften in Hamburg im Oktober diesen Jahres. Wer noch Tickets haben will, sollte sich beeilen, denn es werden 12.000 Besucher erwartet, die rund 250 Poeten in Aktion sehen wollen. Dann steht dem großen Finale in der o2 Arena ja auch nichts mehr im Wege.

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Emotionaler April & goldener Mai

Der Frühling zeigt sich von seiner farbenfrohen Seite, so dass jedem Fotografen das Linsenherz aufgeht. Von Vergissmeinnicht-Meeren über Kirschbaumblüten, die alles in ein zartes rosarot tauchen. Dazu passend der Text "Alles ist Frühling", aus meinem Spoken Word Album "Die Liebenden". Sowieso scheint sich im Frühling alles zu lieben. Wie liebenswert. (<- Dies ist ein sarkastischer Satz). Te quiero, würde der Spanier sagen, I love you, der Engländern, Liebe ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen, es könnte sich um chemische Reaktionen handeln, der Biologe und der Mathematiker würde wohl eher schweigen, weil er die Liebesformel noch nicht entschlüsselt hat. Das sind die Dinge mit denen ich mich zur Zeit befasse. Klingt nicht nur trocken, sondern ist es auch. Aber würden Schulen etwas mit Spass zu tun haben, würden sie in Partyreiseführern stehen. Da kann man zwischendurch nicht widerstehen sich die Bretter der Bühnen aus der Nähe anzusehen und so war ich im April in den Hamburger Kammerspielen bei Schriftstehler`s Soloprogramm "Emotionales Kabarett", um die Gäste vorweg ein bisschen einzustimmen. Ich war das Vorsprogramm sozusagen, die One-Woman-Show für 15 Minuten. Danach tauchte ich wieder ab in biologische Prozesse und religions-kritische Betrachtungen, wobei man meinen möchte, dass die Auseinandersetzung damit ja nicht so schwer sein kann, weil wir jeden Tag davon umgeben sind. Viel mehr verunsichern mich jetzt die 15 Minuten, weil ich an Andy Warhol denken muss, der jedem Menschen 15 Minuten Ruhm verspricht und ich da schon einen Haken hinter gesetzt habe, andererseits denke ich: "Interessant, das von einem Menschen zu hören, der sich selbst nicht an diese Zeitvorgabe gehalten hat". Vielleicht sollte ich mich 9 Stunden lang beim schlafen filmen und das von Arte übertragen lassen.

Um mich den Warhol`schen Gesetzen zu widersetzen, war ich im Mai zu Gast bei "Der Goldenen Gniechel Show". Was für ein Spass. Ein lustiges Interview, ein mir bis dato völlig unbekanntes Spiel, das ich mit sehr viel Geschick und Glück gewonnen habe und mein Kindertext, der nicht nur Kinderlose erfreut hat. Aber so wie der Frühling zu Ende geht, tun dies auch andere Dinge, die nicht jedes Jahr wiederkommen und die man sich deshalb nicht entgehen lassen sollte. Da kann man so richtig schön das Sprichwort anwenden "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen". Ich bin ein Sprichwörter Fan, und wenn man was dazu beitragen kann, um die Kultur des Landes zu erhalten, tu ich das doch gerne. So kam es auch, dass ich mir die letzte Vorstellung von "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" im Thalia Theater angesehen habe und mehr als begeistert war. Da war es richtig traurig, dass es die letzte Aufführung war. Das Stück war großartig inszeniert. Humor und Tragik lagen so dich beieinander, dass Tränen über lächelnde Mundwinkel liefen. Hier hätte emotionales Kabarett auch gepasst. Aber alles Schöne geht irgendwann zu Ende und anderes rückt nach. Zum Beispiel, der Theaterspielplan für die nächsten 6 Monate.

Am 17.06. habe ich es endlich mal geschafft mir den Pony Slam im Haus 73 in der Schanze anzugucken. Eigentlich wollte ich nur einen Slammer begleiten, hatte mich dann doch entschieden mitzumachen und konnte mit Thomas Langkau das Finale bestreiten, der dann auch das Pony mitnehmen durfte. Es war nicht pink, also, war das o.k. Am Tag darauf war ich beim Stop Klock Slam im Rahmen der Altonale. Slammen in der Christianskirche. Endlich war klatschen in der Kirche erlaubt. Bei der letzten Konfirmation der ich beiwohnte, war ich schon immer gewillt zu klatschen, als die zu taufenden aufgerufen wurden. Und so schließt sich der Sommeranfang nahtlos an den Frühling an, mit einer Menge Regenschauern. Ich verstehe mich gut mit ihnen. Wir sind Namensvettern. Man tut was man kann. Hasta la vista.

März - Book-Release & Literatur Quickie

An den 04.03. wird sich der Silbersack auf St. Pauli sicherlich noch lange erinnern. Ich werde es auf jeden fall, denn dort fand an dem besagten Abend die Book-Release-Party von meinem Lieblings-Thomas statt. Sein erstes Buch trägt den Titel Satzsucher, wie sollte es auch anders sein, und hat ein unglaublich geiles Cover. Es ist wunderschön geworden und das Buch hält, was das hammergeile Cover verspricht. Thomas Langkau hat sich die ganze Palette an Emotionen und Themen vorgenommen und mal lustig, mal traurig, aber immer zum mitfühlen, über das Leben geschrieben und erzählt wunderbar von Dingen die passiert sein können oder genau so passieren könnten. Für die Buchvorstellung hat er sich Unterstützung von namenhaften Autoren und Poetry Slammern geholt, u.a. vom Jörch, Torsten Wolff, Dominik Bartels und auch ich durfte lesen. Und dann auch noch einen Text, der mir wie auf den Leib geschrieben ist "Ich bin ein Mann". Zudem gab es noch eine Tombola zu Gunsten von viva con agua und es sind tatsächlich 333,33 Euro zusammen gekommen. Wenn das mal kein Betrag ist. Um ein bisschen an Thomas` Glücksgefühlen teilzuhaben, einfach mal hier rein schauen -> www.satzsucher.de

Der Hamburger Literatur Quickie rief und ich kam natürlich. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Am 23.03. war es dann auch soweit und ich bekam 17 Minuten Zeit, um das Publikum zu begeistern. Da bastelte ich mir ein kleines, abwechslungsreiches Kurz-Programm zusammen, 17 Minuten sind zwar nicht wirklich viel, aber für einen Slammer ist das mehr als dreimal so viel wie gewöhnlich. Endlich mal eine "Bühne", bei der man experimentieren kann. Und ich experimentierte im Feldstern. Ein bisschen lustig, ein bisschen lyrisch, ein bisschen morbide.

Somit ist der März auch schon wieder rum. Ich hoffe, dass Ostern mit sommerlichen Temperaturen daherkommt, damit die Freiluftsaison bald wieder beginnen kann.

Februar - Internationales Flair & Abgang

Am 04.02. waren wieder die Wortakrobaten am Werk. Mit dabei war der wunderbare Singer-/Songwriter Der Tagträumer mit deutschen Texten zum träumen, nachdenken und lachen. Es standen wieder haufenweise neue Texte auf dem Programm; über Klassentreffen, die zum sinnieren über Musik anregten, Lebensweisheiten aus französischer Perspektive, die das Leben zur Keksschachtel machten, Trennungsgeschichten zum lachen, jedenfalls für die Zuhörer und über Beziehungen, die durch keine Rettungsweste gerettet werden konnten. Das Ganze wurde mit einem Song von Schriftstehler beendet, bei dem ich mich überreden ließ von der Bühne aus mitzusingen. Bin ich ein Talent *schmunzel* Wer wissen möchte was Der Tagträumer so kreatives macht, schaut sich am besten hier mal um -> www.tagtraeumer-music.de

Die DichterOhneStreit waren am 09.02. sehr international besetzt. Österreich, Frankreich und die Niederlande ließen es sich nicht nehmen Deutschland zu besuchen und so wurde es richtig interkulturell kuschelig mit Texten in der Muttersprache des jeweiligen Poeten. Zwar hat man nicht immer alles verstanden, aber man kann ja auch mal ein bisschen was für die Kunst tun, bei dem, was sie alles für uns tut. Sehr performancestark war es ausserdem und das Publikum wurde mit kleinen Wortspielerein miteingebunden und konnte gleich mal seine Französischkenntnisse testen und sich absolut von Ninia LaGrande überraschen lassen, die Kleine mit den ganz großen Texten über Fotografen, die lieber mit toten Models arbeiten, weil die nicht so viel meckern und über Kontrollzwänge, da sich alles im Leben gern selbst und ohne Grund entzündet und Feuer entfacht. In Allem ein wunderschöner und gelungener Abend. Da wurde Fernweh zu einem unbekannten Gefühl.

Wenn ein neuer Slam in Hamburg an den Start geht, möchte man ja gern dabei sein. Also, bin ich der Einladung am 10.02. zum Slam the 13 gefolgt und war ganz überrascht wie nahe der 13. Stock doch dem Erdboden sein kann. Der Auftakt war grandios. Mit Wehwalt Koslovsky als Moderator und Till Reiners als Special Guest. 6 Minuten Zeit, um das Publikum zu überzeugen. Hatte bei mir in der ersten Runde auch geklappt und so konnte ich mit voller Punktzahl ins Finale einziehen. Dort konnte ich mich fast ebenso gut durchsetzen und belegte den 1. Platz. Das Ambiente ist gemütlich, das Publikum gut drauf und ein Besucht beim Slam the 13 lohnt sich allemal.

Der Februar brachte so einige Veränderungen mit sich und so musste ich mich schweren Herzens dazu entscheiden in diesem Jahr bei Slams und Lesungen kürzer zu treten, denn so ein Abi macht sich nicht von allein. Schade eigentlich! Manchmal packt mich der Bühnen- und Lesedrang dennoch und ich will auch nicht zu streng mit mir sein, deshalb werd ich hin und wieder mal gucken, was bei euch da draußen so los ist. Bis dahin möchte ich es mit einer Anlehnung an den Texttitel von mir "Hinterlass mich so, wie du mich vorfinden willst" halten und sage: "Ich hinterlass euch erstmal so, wie ich euch wieder vorfinden will!"

 

Slam2011

Hamburg im Zeichen der Wortkunst

Dieses Jahr ist es wieder soweit: die Deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slams finden nach zehn Jahren endlich wieder im Norden statt! Hamburg als angehende Slamhauptstadt mit bis zu 12 regelmäßig stattfindenden Slams wird vom 18.-22. Oktober das weltweit größte Poetry Slam Festival veranstalten. Es werden 300 Teilnehmer erwartet, die unter anderem im Schauspielhaus, im Uebel & Gefährlich und im Molotow in den Kategorien Einzelwettbewerb, Teamwettbewerb und U20 Wettbewerb antreten werden. Es werden rund 15.000 Besucher erwartet, die sich jetzt schon auf das spektakuläre Finale in der o2-World freuen können. Das Rahmenprogramm wird Einblicke in die verschiedenen Spielarten des Formates bieten. So bekommt man die Möglichkeit bei einem Rap Slam, Singer Slam oder einem Science Slam dabei zu sein. Das absolute Highlight für jeden Poeten wird der Besuch vom Amerikaner Marc Kelly Smith sein, der 1986 den Weg für diese Form der Literatur geebnet hat. Eröffnet wird das Festival im Thalia Theater von den drei amtierenden Titelverteidigern Laurin Buser (U20), Team & Struppi (Team) und Patrick Salmen (Einzel). Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Hamburg putzt sich für seine Gäste heraus und bietet bis zum Auftakt verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen unter dem Label "Road to Slam 2011" an. Es wird Workshops für Jugendliche geben und die Hamburger Poetry Slam Stadtmeisterschaften werden einen kleinen Vorgeschmack auf das Festival geben. Der Vorverkauf für das Finale in der o2-World hat begonnen und werd da nicht dabei sein wird, wird echt was verpassen.

Januar 2011 - Happy New Year!

Mein visueller Beitrag für den Jahreswechsel. Aus dem Alter des Lärms bin ich ja langsam raus, aber für Wunderkerzen kann man nie zu alt werden. Sie sind einfach schön und funkeln und glitzern was das Zeug hält, das macht mich fröhlich und außerdem vertreiben sie die bösen Geister auf liebe-nette Art und Weise "Husch, husch, nu aber weg mit euch aus dem neuen Jahr, ihr bösen Geister!" Ich glaube, es ist sogar das erste Jahr ohne gute Vorsätze, auch ohne Schlechte, sowieso hab ich mir dieses Mal wenig Gedanken gemacht, um das neue Jahr. Es war einfach zu schnell da. Man sagt ja, je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Ich fühl mich schon ganz schon alt, denn so schnell war noch nie Weihnachten. Aber die Post hat das richtig gut gemacht. Die möchte ich an dieser Stelle loben, die haben nämlich meine Post von einem Tag auf den anderen, und der andere war Heiligabend, an meine Lieben ausgeliefert, trotz Kälte und Schnee und Straßenchaos. Das soll hier einfach mal erwähnt werden. Ich weiss nicht, ob ich so ein guter Postbote wäre. Alles was mit Kalt zu tun hat, da wär ich nicht so gut drinnen.

Aber an dieser Stelle gilt mein Dank ganz besonders den lieben Menschen, die mir so liebe Präsente zu Weihnachten und Neujahr geschickt haben. Wundervolle CD`s und Bücher. Die haben meinen Horizont erweitert und so ein Horizont will ja ständig gedeht werden; ist wie Gehirngymnastik. Dank der lieben Geschenke singt sich seit dem auch Frau Melody Gardot das Stimmchen bei mir zu Hause heiser.

Außerdem bin ich mal sehr gespannt unter welchen Suchbegriffen ich in diesem Jahr im Internet zufällig gefunden werden. Ja, Überwachung ist überall. Hier ein paar Stichworte von eifrigen Internetsurfern, die bei mir gelandet sich: "Hamster vibriert", "Mädchen zertreten" oder "Kindertexte Heiliger Geist". Sollte mir Gedanken machen, warum ich am Ende dieser virtuellen Assoziationskette stehe.

Am 12.01. fand wieder der wundervolle "DichterohneStreit" in den Kammerspielen statt. Nachdem wir im Dezember den Schritt zur Lesebühne gemacht haben, haben wir eine absolut entspannte Atmosphäre ohne Erbsen zählen. Das Einzige, was noch fehlt, ist eine chillige Couchgarnitur. Zu Gast waren dieses Mal Pierre Jarawan, Frank Klötgen, Kaddi Cutz und Karsten Lieberam-Schmidt. Somit hatte ich ein bisschen weibliche Unterstützung und Frank Klötgen hat die Zuschauer mit dem wohl längsten frei vorgetragenen Gedicht, das ich jemals gehört habe, begeistert. Das möchte ich hier noch mal von den begeisterten Zuschriften weitergeben.

Am 27.01. war Tag des beeindruckenden Bunker Slams und mein persönlich erster Auftritt dort, und ich war aufgeregt, wie schon lange nicht mehr. Die Sirenen zu Beginn haben es nicht gerade besser gemacht. 500 bis 600 Zuschauer im Uebel & Gefährlich und von der Bühne aus hätte man jeden persönlich begrüßen können, so gut waren die ausgeleuchtet. Der Blick bis ans Ende des Raumes war sehr Adrenalin fördernd. Ins Finale kamen Nico Semsrott und der amtierende U20-Meister Laurin Buser aus der Schweiz, der dem Publikum so dermaßen eingeheizt hat, dass er doch glatt als erster Poet die volle Punktzahl im Bunker geholt hat. Unser moderierende französische Unteroffizier Abdollahi wurde zum ersten Mal sprachlos, vor allem, weil er versprochen hatte bei einer perfekten 10 diese vorzuturnen. Einer der wenigen Gründe, warum ich mir am 17.02. das Bunker Slam Finale ansehen muss; Offiziere sieht man selten turnen!

Am 29.01. fand zum dritten Mal der Lola Slma in Bergedorf statt und ich habe selten so ein lustiges Publikum erlebt. Moritz Neumeier hat sich als Moderator einen schönen verbalen Schlagabtausch mit ihnen geleistet und zwischendurch Marque-Régnier Hübscher interviewt, der sich bereitwillig und ohne Angst jeder Frage stellte. Als Featur-Poet heizte Volker Strübing ein und auch hier konnte Laurin Buser begeistern und den Ersten Platz belegen. Ich gesellte mich auf den Zweiten. Den Preis hätte ich eh nicht mitnehmen können, eine Flasche Jägermeister; ich musste noch fahren.

Damit geht auch schon der längste Monat des Jahres zu Ende, dich gefolgt vom Kürzesten. Ich denke immer noch über meine Vorsätze nach. Wenn ich nicht bald fertig bin damit, muss ich sie eben nachsetzen.

Dezember - Dichter ohne Streit

Der Winter schubste dieses Jahr eine Überlegung bezüglich des Dichterwettstreites in den Kammerspielen an. Einige Poeten fielen im Dezember durch Glatteis und Schnee aus, so wurde aus einem Slam eine Lesebühne mit zwei Moderatoren und drei Gästen. So hatten wir eine gemütliche Runde auf der Bühne und unsere Gäste Luc Spada, Der Tom und André hatten die Möglichkeit mehrere Texte zu lesen und wir fanden sogar für kurze Interviews zwischendurch Zeit. Auf diese Weise lernt man nicht immer nur die Texte kennen, sondern auch die Poeten und so kam die Idee spontan während der Lesung, dass wir ab sofort Dichter ohne Streit haben wollen und starten ins neue Jahr mit einer Lesebühne in den Kammerspielen.

In diesem Monat war ich zu Gast beim Slam im Zeise Kino in Altona. Je ungemütlicher draußen, desto kuscheliger drinnen. Wir hatten ein tolles Line-Up mit Tobi Glufke, Marque-Régnier Hübscher, Andy Strauß als Erstplatzierten, Thomas Langkau als Zweiten und ich platzierte mich auf dem dritten Plätzchen. Wer Andy Strauß noch nicht kennt, muss ihn unbedingt kennenlernen, und das geht auf keinem Wege besser, als auf diesem -> www.establishmensch.de

Und da möchte ich eine kleine Empfehlung aussprechen und zwar zu seinen zwei großartigen Büchern "Establishmensch" und "Alpträumer". Wer nicht einfach was zum schmökern sucht, sondern mal deeper underground gehen möchte und keine zartbesaitet Seele ist, sollte die beiden Bücher unbedingt lesen. Natürlich kann man sie auch schmökern, oder schmoken oder was auch immer, und hier ist es auch gar nicht so schlimm, wenn man von dem Trip nicht mehr runter kommt.

Und jetzt noch eine Warnung, es macht süchtig, aber halb so wild, ich habe gehört, ein dritter Roman ist in Arbeit. Fragen sie einfach hin und wieder den Dealer ... äh ... Buchhändler ihres Vertrauens.

November - Nationals 2010

Müde, müde, müde ... entweder liegt das daran, dass ich zu viel mache, Winterschlaf ist, ich den Winterschlaf verpasst habe ... Hatten aber einen schönen Novemberauftakt, mit meinem Geburtstag und anderen 3 Millionen Geburtstagskindern, die ich noch nicht alle persönlich kenne, und natürlich dem Dichterwettstreit in den Kammerspielen. Eine lustige und gemütliche Runde mit Patrick Salmen, als Gewinner des Abends. Wir hatten schon den neuen National Champion bei uns, als noch keiner wusste, dass er National Champion werde würde. Und hier ist auch schon der Übergang. Warum alles versteckt und unauffällig machen, der Schnee kam ja auch nicht über Nacht, stürzte und ins Chaos und sagte: "Und jetzt kommt mal klar!", sondern auch ganz auffällig tagsüber. Die Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften fanden dieses Jahr in Bochum statt. Wir hatten fünf Tage Regen, das sind wir Norddeutschen ja schon aus Hamburg gewohnt, aber natürlich schien zu der Zeit in Hamburg die Sonne. So ist das.

Auf den Nationals entstand auch dieses Video für die Lesebühne "Metrophobia" mit Annika Blanke und Christian Bruns. Genial zusammengestellt. Hier mal reinschauen.

Bei den Wortakrobaten im Foolsgarden hatten wir diesen Monat auch wieder tolle Gäste und jede Menge Spass. Mit dabei war die Tüdelband und Marque-Régnier Hübscher. Als kleines Hightlight haben Marque-Régnier und ich Texte getauscht und uns mal am Gedankengut des anderen ausprobiert. Marque-Régnier trug meinen Text "Die Liebenden" vor und ich "Drei Frauen". Kosteprobe hier.

Der Monat endete mit einem Besuch in Köln. Hatte mich so gefreut, endlich mal Köln zu sehen. Am Montag war ich bei der Lesebühne "Die Wohngemeinschaft" zusammen mit Michael Jakob und Dienstag gab es ein Wiedersehen mit Patrick Salmen beim "Reim in Flammen"-Slam. Von der höchsten Bühne, die ich je zuvor gesehen hatte, rockten Michael Jakob und Patrick Salmen zusammen den Abend und gingen als Doppelsieger hervor. Natürlich musste ich die Chance nutzen und mir die Stadt ein wenig genauer ansehen und ich war unglaublich fasziniert vom Kölner Dom. Zumindest von außen. Was für ein gigantisches und schönes Bauwerk. Anschließend schlenderten wir über die Hohenzollernbrücke, um mal unter die Lupe zu nehmen, was verliebte Pärchen alles so machen, um zu demonstrieren, wie verliebt sie doch sind. Hier ein Bild der Liebe.

Oktober - Wortakrobatin & Hotelpoetin

Der Oktober stürmte ins Haus, trat dabei geschlossene Türen ein, guckte nach rechts und nach links, guckte mich mit seinen riesigen, trüben Oktoberaugen an und sagte: "Ich bin jetzt da!" Ich fragte ihn, ob er denn die Stunde Zeit mitgebracht hätte. Er sagte, nö, das käme doch erst noch und ich sagte, dann verpiss dich und repariere die Tür im rausgehen. Er ging, reparierte nichts und nahm mich mit. Als erstes waren wir beim Autorenportrait bei lovedreamradio.com. Zwei Stunden lang ich und Musik und ein Pläuschchen im Chat. Am nächsten Morgen fuhr ich nach Bremen. Zwei Tage lesen bei der Veranstaltung "Tag der Deutschen Einheit". Wir hatten mit Abstand den coolsten Pavillon. Oben ein Fragment. Das Hotel war der Knaller, mit Pool und Sauna. Da macht Aufstehen Spass, auch wenn man kaum geschlafen hat, weil irgendein Depp den Feueralarm ausgelöst hat. Ich war weniger über den Feueralarm entsetzt, als über meine Reaktion -> Ahh. Arschloch. Warum geht denn jetzt keiner mal nachsehen? Ich ruf jetzt bei der Rezeption an. Nö, das machen bestimmt schon die Anderen. Wenn ich das jetzt mache, bin ich Nr. 38 und die Dame an der Rezeption ist dann sicher schon ganz genervt und wird mich anschreien. Wenn`s wirklich brennt, werden die mich schon retten.

Diesen Monat hatte ich auch meine erste Wortakrobaten-Allein-Moderation. Zu Gast war Jürgen Ufer, der eine absolut geile CD hat. Schon das Cover der CD macht aus ihr eine von denen, die man schon aus "ästhetischen-in-den-Schrank-stell"-Gründen kauft. 90 Minuten Programm war eine anständige Zeit, aber ich war, dank der vorherigen Vorkommnisse für den Abend gerüstet. Natürlich trudelte ich viel zu früh im Foolsgarden ein. Als der Barmann mir öffnete hielt er mich für eine Singer-/Songwriterin ohne Gitarre und verkündete mir ganz selbstverständlich "Ich gehe jetzt zum Markt Milch kaufen. Is alle. Und du hälst die Stellung!" Wie, was, Milch ist alle? Hauptsache es gibt Bier. 

Am 13.10. war ich bei der Lesung "Poeten im Hotel" im Maritim Hotel. Abgefahrene Geschichte, schon alleine, weil ich noch nie im Maritim Hotel war. Die haben da glänzende Marmorböden und angeberische Kronleuchter. Mann, dachte ich, wie die Zimmer wohl aussehen? Aber das Zimme hatte mich nun nicht gerade vom Hocker gehauen. Hatte irgendwie was altbackenes an sich. Nichts gegen altbackene Dinge, aber es ist immer wieder schräg, wenn Erwartung und Realität kollidieren - Krach - hab ich doch gleich gesagt, dass das nicht funktionieren tut. Ich durfte dann in der Bar mit maritimen Flair lesen. Diese Bar ließ in mir den Wunsch aufsteigen auf der Stelle ein Chanson zu singen. Aber wer kriegt schon, was er will.

Am 22.10. war ich in Leer/Ostfriesland. Der Slam fand im Zollhaus statt, vor dem ich stand, während ich Passanten fragte, wo denn das Zollhaus sei. Das Finale gestaltete sich denkwürdig mit Keno, Sarah, Marian und mir. Keno schaffte es auf Anhieb die Höchstpunktzahl von 40 zu bekommen. Als nächstes erreichte Marian 40 Punkte und ich dachte noch, mann, hier ist aber was los, und als ich dann noch 40 Punkte bekam, hatten wir einen dreier Sieg nach Punktwertung, was von uns so auch noch keiner erlebt hatte. Einer aus der Jury hat sogar noch eine stylische 11 auf seine Punktetafel gemalt und ich dachte, Wahnsinn, kann der schnell zeichnen.

Am 31.10. war ich beim Premiere-Slam im Knust. Moderation Moritz Neumeier. Wer seine berühmt-berüchtigten Moderationen kennt, der weiss, was ihn erwartet; norddeutscher Charme in einer Hülle reinen Sarkasmus. Selbst die Vorrunde wird mit Applaus abgestimmt und die härteste Regel  ist, dass hier 5 Minuten auch wirklich 5 Minuten sind. Ist ein bisschen, wie im wahren Leben. Natürlich war mein Text in der ersten Runde zu lang, also machte ich im Finale den Schluss des Textes aus der Vorrunde und hängte an die Satire einen Lyriktext dran. Was mich in verwirrte Gesichter blicken ließ. Mann, dachte ich, Verwirrung pur, sowie ich gerade in meinem Kopf, aber hey, ich habe es geschafft ein Gefühl zu transportieren. Das Dreier-Finale bestand aus Tobi Kunze, Marque-Régnier Hübscher und mir. In dieser Reihenfolge platzierten wir uns auch.

Und gerade als ich den Oktober fragen wollte, wo wir denn nun den November finden, da war er auch schon da, und die Nationals, und der Oktober war gegangen. Na, das lieb ich ja; unangemeldet auftauchen und unverabschiedet verdrücken. Was von ihm blieb, war eine Stunde mehr Zeit, die man nur spürt, wenn sie gerade verstreicht. Aber das ist ja nicht schlimm. Ewigkeit hatte er ja nie versprochen. Nur ein paar Augenblicke mehr und die reichen manchmal, um manches noch mal von vorne anzufangen.

September 3 - Berlin du bist so wunderbar

Das Ende des Septembers ist da, aber wie ich schon versprach endet er mit etwas Besonderem, wobei ich mich nicht wirklich für etwas entscheiden kann. Am 24.09. ging`s nach Rotenburg AN DER WÜMME. Meine Güte, mittlerweile weiss ich auch, dass es mehrere Orte gibt, die Rotenburg heißen. Ich dachte schon die Fahrt dorthin durch den Elbtunnel wird ein Highlight, nein, zurück war noch besser, mit aussteigen auf der Autobahn, weil einfach mal gar nichts mehr ging. Um Mitternacht zwischen Tonnen von Blech auf der A7 stehen. Jetzt hab ich alles erlebt. War schön, vor allem, weil wir den Gewinner, unseren lieben Thorsten Wolf, wieder mitnehmen durften. Es gibt so ein Gerücht, dass die in Rotenburg den Gewinner in eine goldfarbene Flüssigkeit tauchen und danach zwischen die Bioprodukte stellen. Wer slammen ohne Mikro mag, und einen leckeren Eisitaliener gibt`s gegenüber auch noch. Danach gab`s das Thomas & Sabrina Flaschenpostritual. Wunderschöne Flasche (die werden von mal zu mal echt schicker) mit kurz zuvor gelesenem Text, schwungvoll von Sabrina (das bin ich) in von Thomas ausgewähltes Fließgewässer geworfen. Wenn mein ehemaliger Sportlehrer das sehen könnte, er wäre so stolz auf mich. Gewässer wurde auch dieses Mal optimal ausgesucht, jedoch leicht überschattet von der Befürchtung, dass es sich nicht um die bekannte Wümme handelte. 

Endlich, endlich ist die neue Ausgabe vom Punchliner da. Hier gucken, hier toll finden, hier bestellen. Ich bin ja so aufgeregt. Mit so tollen Leuten wie Dominik Bartels, Andy Strauss und Björn Högsdal. Habe auch gerade meine Ausgabe in der Hand und werde explodieren vor Freude, aber vorher: letzte Reisestation; Berlin!

Ein Teil des zweiteiligen "Tag der Deutschen Einheit" Auftritts. Berlin du bist so wunderbar, Berlin. Auch wenn ich nur den Berliner Hauptbahnhof von innen und außen sah, das Berliner Taxi von innen und außen und das Veranstaltungsgebäude von innen und außen schon gar nicht mehr wahrgenommen habe. Dort spielten so geile Hamburger Bands wie Caracho und Simple. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich bei einem Auftritt tatsächlich Hugo Egon Balder hinter einem Schlagzeug sitzen sah. Er sah so jung aus. Auf dem Rückweg im ICE musste ich feststellen, dass man auch um Mitternacht nicht in Ruhe im Zug schlafen kann. Erstmal roch es überall im Zug nach vollgepinkeltem Katzenstreu (aber nach dem billigen, weniger saugfähigen) und dann musste ich mir eine Grundsatzdiskussion einer Tochter mit ihrem Vater darüber anhören, dass er nicht will, dass sie neben dem Studium jobben geht, sondern er ihr lieber Geld überweist, was sie definitiv nicht wollte, weil sie doch bitte endlich selbständig sein wollte und keine weiteren Verträge mit ihrem Vater über angebrachtes Verhalten in ihrem Leben unterschreiben wollte. Hallo? Erstens wollte ich einfach, dass dieses Mädchen die Klappe hält und zweitens, ich wünschte mein Vater würde mir solche Angebote machen und jetzt, du nach Mitternacht zu lautes Wesen, unterschreib doch halt den Vertrag. Ich finde die sollten in Zügen dasselbe System einführen, wie in Bibliotheken "Einfach mal ... ruhig sein!"

Das Ganze beschließe ich mit einem Cheers. Der Oktober kann kommen, ist schon da und macht seinen Job ganz gut, inklusive Spätsommerwetter.

September 2 - NRW-Meisterschaften

Die NRW-Meisterschaften fanden vom 17.-19. September in Bielefeld statt. Ich dachte mir, hey, Bielefeld, ist ja nicht so weit, fahr mal mit dem Auto. Am Arsch. Ich habe über fünf Stunden gebraucht (statt zweieinhalb, wie mir das freundliche Navi sagte), weil ich in drei Staus steckte, nein, weil eigentlich die ganze Strecke ein einziger Stau war. Eine eingestürzte Brücke, zwei liegengebliebene LKW`s, zwei Baustellen (eine davon die Dauerbaustelle Elbtunnel, nennt die Scheiße doch endlich mal in "Elbstautunnel" um) und jedes fünfte Auto blieb irgendwo auf der Strecke liegen. Wie immer stand ich nach einer Weile unter Zeitdruck, aber das ist ja nichts was ich nicht kenne und mittlerweile kompensieren könnte, mit gestressten Anrufen bei schon angekommenen Poeten "Wo seid ihr? Und wo bin ich? Ahhhhhh" oder spontanen Wutausbrüchen mit willkürlich gewählten Opfern "Du piep piep piep. Diese piep Technik. Wie kann das sein, dass du die Straße nicht kennst? Was bist du denn für ein Navigationsgerät? Deine Mudder war wohl ne piep und piept durch die ganze Technikabteilung, du Sohn eines Schallplattenspielers." Nachdem ich mich beruhigt hatte, falschherum in eine Einbahnstraße fuhr und fast frontal mit einer Straßenbahn Bekanntschaft machte, kam ich auch endlich bei der Jugendherberge an. Fünf Minuten zu spät und wahrscheinlich als Letzte, was mich ein bisschen an eine eigens versuchte Charakterbeschreibung von mir erinnerte "Wir haben zwar die Filmpremiere verpasst, das anschließende Candle Light Dinner und deine Geburtstagsparty, aber, hey, ich bin da! Wie, das war heute gar nicht?", obwohl ich sonst immer überpünktlich, ja, was schon zu früh da bin. Halt nur nicht Außerhalb. Sie fragen sich jetzt sicher "Außerhalb von was?" und ich habe mich dasselbe gefragt und antworte mit "Außerhalb von Tornesch!"

40 Poeten, verstreut in 4 Vorrunden, so viele unbekannte Gesichter und mir ging der Arsch auf Grundeis, weil ich dachte, nun schickt mich der liebe Andreas Weber für den münsteraner Tatwort Slam und jetzt musst du hier auch was reißen, so als kleines Dankeschön (wurde dann ein etwas größeres Dankeschön). Als ich vor dem Saal stand wurde mir kurz schwarz vor Auge und ich hyperventilierte. Weiss bis heute nicht warum, schließlich war ich noch gar nicht dran. Ich hatte noch gut eineinhalb Stunden Zeit, es waren nicht mehr Leute im Publikum als sonst und die Hamburger und Schleswig-Holstein Meisterschaften hatte ich ja auch lebend überstanden. Seltsame Sache, änderte aber nichts an meinem Wunsch nach einer Papiertüte. Hier ging es einfach um atmen. Ich überstand meine Vorrunde richtig gut und zog als Zweite ins Finale ein. Ich wusste gar nicht wie mir geschah. In dem Moment dachte ich an nichts. Es war nur ein kleiner Tanz, der durch meinen Kopf ging. Am nächsten Tag stand das Finale an, mit so großartigen Leuten wie Anke Fuchs, Patrick Salmen, Torsten Sträter, Schriftstehler u.a. Wäre es möglich gewesen, hätte ich den Abend unter einem Sauerstoffzelt verbracht, so aufgeregt war ich. Ich glaube, ich war noch nie so aufgeregt, wie an diesem Tag. Der ersten Finalrunde sollten drei Poeten entspringen. Bevor ich jetzt erzähle, welche drei lieben Menschen weitergekommen sind, möchte ich kurz ein schicksalhaftes Ereignis dazwischenschieben. Nach meiner Vorrunde am Freitag, lächelte mich ein Pärchen vom Bühnenrand aus sehr freundlich an. Genau einen Tag später saß dieses Pärchen beim Finale in der ersten Reihe und bemerkte meine höchst entspannte Schnappatmung. Die Frau kam auf mich zu, legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte "Du hast gestern so einen schönen Text gemacht. Du brauchst überhaupt nicht aufgeregt zu sein. Es wird gut werden!" Und dann musste ich auf die Bühne und in meinem Kopf hallte "Es wird gut werden!" und es wurde gut. Hinter Torsten Sträter und Patrick Salmen zog ich ins dreier Finale ein, machte einen letzten Text und landete auf dem 3. Platz. Die größte Erleichterung meines Lebens breitete sich langsam in meinem Körper aus. Juhu, 3. Platz für den münsteraner Tatwort Slam. Das musste natürlich so schnell wie möglich mitgeteilt werden und kurz darauf bekam ich von Andreas eine liebe Nachricht zurück "Du bist jetzt Ehrenwestfählin!"*schnief Wie lieb und ein gaaaaanz dickes Dankeschön!

Bielefeld mit dem Auto zu verlassen ist 10mal leichter, als hineinzukommen. Und das Ganze ohne Navi. Und selbst wenn ich es gebraucht hätte, hätte ich mich nicht mehr darüber aufregen können, denn die nächsten zwei Tage war mein Körper einfach nicht mehr in der Lage Adrenalin zu produzieren. So what, man lebt ja auch ganz gut mit Energy Drinks! Wer braucht schon körpereigenes Adrenalin!?!

September 1 - Kammerspiel & Kulturnacht

Dieser Monat begann mit etwas ganz Besonderem und endete auch mit etwas ganz Besonderem und deshalb werde ich den September auch ganz besonders ungewöhnlich gliedern und zwar in 3 Abschnitte.

Ich scheine dieses Jahr ungewöhnlich viele Feuertaufen zu haben und muss, während ich dieses Wort schreibe unwillkürlich  darüber nachdenken, was dieses Wort denn überhaupt bedeutet. Taufe mit Feuer; bin nicht gewillt meine 1.200 Interpretationsüberlegungen hier auszuführen, nur so viel - wenn man es nicht besteht, klingt es nach "verbrannt". Schlage jetzt im Duden nach -> 1. Bewährungsprobe, Taufe mit dem Heiligen Geist. Gut, so oder so ähnlich fühlte sich auch meine erste Moderation beim Dichterwettstreit in den Kammerspielen an. Glücklicherweise nicht ganz allein, sondern im Gemischten Doppel mit Armin. Es ist schon was anderes auf der Bühne zu stehen und keinen Text lesen zu dürfen, sondern frei sprechen zu müssen. Seit Münster hielt ich mich ja für einen Improvisationsspast. Glücklicherweise stellte sich das als Irrtum heraus. Ich konnte tatsächlich auf spontan gestellte Fragen antworten und das auch noch sinnvoll. Und manchmal fiel mir auch selbst noch was ein. Es ist immer wieder erstaunlich was für einen Stress der Körper doch vor der Bühne macht und was passiert, wenn man dann endlich auf der Bühne steht. Gechillt ist er dann, wie im Karibikurlaub, obwohl einen die Menschen jetzt erst richtig wahrnehmen; mehr oder weniger. Jedenfalls denke ich, haben wir ein gutes Doppel gespielt, zumindest ist Armin ein Mann, der weiss, wann man einfach mal nichts sagt. Wie lustig, ich sitze gerade am Hamburger Hauptbahnhof auf dem Weg nach Bremen, es ist Samstagmorgen 7:50 Uhr, und die Bahnhofsansage hat eine Störung, die wie ein Technobeat klingt. Jetzt rauscht es nur noch. Boah, können die ihre Lautsprecheranlage mal reparieren? Ich bin müde und es schon nicht gerade meine Nerven. Schon wieder vom Thema abgekommen. Das liegt eindeutig an der Uhrzeit. Wie gut, dass ich immer erst um 8.00 Uhr anfangen muss zu arbeiten. Als Featurepoet beglückte uns Sina Langer (kann man einen weiblichen Featurepoet "Featurette" nennen?) und bis ins Finale lasen sich Nektarios Vlachopoulos und Tobias Glufke. Von den Texten her war es ein bisschen wie der Kampf Jesus gegen die Moderne und wer hätte es gedacht, Nektarios mit der Modernen gewann. Allerdings mussten die Sachpreise vor der Vergabe getauscht werden, da der Sieger das Buch "Die Bibel mit Biff" bekommen sollte und das dann ja besser zu Tobias Version des Lebens Jesu passte. Es war ein Lebenslauf Jesus in Gedankensplatteroptik und hier meine ich mit Splatter nicht zerfetzt im Sinne von Blut, Blut und noch mehr Blut, sondern zerfetzen von jahrhundertealtem Gedankengut, das man als Religion bezeichnet; wenn man möchte. Danach bin ich völlig erschöpft nach Hause; hatte vorher kaum geschlafen, 9 Stunden im Büro gearbeitet, zuviel getrunken und mein Körper schüttete Adrenalin aus, als sei ich ein Elefant.

Erholung gab`s dann noch nicht. Am nächsten Tag ging es weiter nach Kiel in die "Pumpe". Boah, ist das kalt hier. Sitze gerade in dem Zug nach Bremen und wünsche mir eine Taschenheizung. Können die das mal reparieren, bitte? Ich bin müde und das trägt nicht gerade zu meinem Allgemeinen Wohlbefinden bei. Der Abend in Kiel war ganz großartig, hab`s nämlich zum ersten Mal in der "Pumpe" ins Finale geschafft. War mein persönlicher Pyrrhussieg, auch wenn ich nicht gewonnen habe und auch keine großen Verluste erlitt, aber ich wollte das Wort auch mal benutzen. Den 1. Platz machte an diesem Abend Theresa Hahl, mit drei unglaublich schönen Texten. Bin jetzt ein Fan von ihr und bewundere diese außergewöhnlichen Wortschöpfungen.

Am Samstag ging`s nach Glückstadt zur Kulturnacht. Slammen in einem nostalgischen Postbus. Sie werden jetzt sicher denken, warum greift die zu einem Wort wie "nostalgisch"? Hätte ja auch einfach "alt" schreiben können. Hatte ich auch erst, aber alt klingt nicht so verdient wie nostalgisch. Es war einfach ein cooler, nostalgischer Postbus; obwohl "alter Postbus mit Flair" klingt auch schön. Die Lesung unterteilte sich in drei Abschnitte und nach jeweils 15 Minuten Lesezeit drehte der nostalgische Postbus eine Runde durch die Stadt. Am 16.09. ging es weiter nach Neumünster zum Kunstfleckenslam in einer Fabrik. An dem Abend stand ich mit Moritz Kienemann, David Friedrich und dem geilen Team & Struppi im Finale und machte den 1. Platz. Und ich bin wieder erstaunt, wie viele Menschen sich doch in meinem Singletext und in meinem Kindertext wiederfinden und denke jedesmal "Ja, jetzt lachen wir darüber, aber eigentlich sind diese Inhalte ganz schön traurig!"

Na ja, man muss alles mit Humor nehmen, man soll die Feste feiern wie sie fallen, kräht der Hahn erst in der früh um sieben, blieb er auch mal länger liegen. So, genug gebrabbelt, sonst muss ich den September noch in 10 Abschnitte gliedern. Außerdem friert mir hier gerade die Hand beim schreiben ab, denn scheinbar ist in diesem Zug die Heizung ausgefallen und es ist verdammt kalt und ich verstehe nicht, warum die das nicht mal reparieren, ich meine, die müssen doch Menschen kennen, die so was reparieren können und dann auch noch ...

August - Zettelwirtschaft & Fjorde

Der August war eine grandiose Sommerpause; mehr Pause als Sommer. Das Wetter hat ja nicht ganz so mitgespielt. Am 09.08. war ich in Münster beim Tatwort Slam mit dem total lieben Gastgeber Andreas Weber. Tagsüber schien die Sonne und ich konnte mir Münster noch ein bisschen aus der Nähe ansehen. Eine Playmobilstadt, wie wir feststellten; sauber, freundlich und schön. Bis dieses Mädchen am Bahnhof aufkreuzte und mir ihre halbe Lebens- und Leidensgeschichte erzählte, mit Details, die ich nicht unbedingt hören wollte und ich wollte sie auch nicht anfassen. Das war nicht böse gemeint, aber ich hab da einfach eine natürliche Hemmschwelle bei fremden Menschen, die mich spontan auffordern sie anzufassen. Kann mir auch nicht helfen, warum das so ist. Abends trafen wir uns dann im Cuba Nova zum slammen. Die erste Runde lief ohne besondere Vorkommnisse ab, die Zweite nicht ganz. Im Finale musste ich als Erste ran und genau in der Mitte meines Textes fiel die Technik aus. Mhh, das hatte ich auch noch nicht. Obwohl in meiner Nähe öfter mal elektrische Dinge komische Sachen machen. Da stand ich nun ungefähr fünf Minuten, gefühlte fünfzig, und musste hilflos mitansehen, wie die beiden Herren versuchten die Technik wiederzubeleben. Habe festgestellt, dass ich ein Improvisationsspast bin. In solchen Situationen; einfach grinsen! Da technisch nichts mehr zu machen war, haben wir eine abgefahrene Alternative gefunden und zwar von einem pianohohen Holzpodest in der Mitte des Raumes runterschreien. Erinnerte mich ein bisschen an "Gebt mir einen Balkon, ich muss zum Volk sprechen!" Die Poeten hatten Spass, das Publikum hatte Spass und Münster gehört ab sofort zu einem meiner Lieblings-Slams. Und ich darf Münster im September bei dem NRW-Slam in Bielefeld vertreten. Schon ganz aufgeregt, aufgeregt schon ganz.

Zettelwirtschaft habe ich auch auf dem Bett, unterm Bett, im, auf, um die Schränke und in allen Ecken und jetzt auch noch als Zeitschriftenformat und mit einem Text von mir. Zum Thema "Knietief im Sommer" durfte ich mich zwischenmischen (das Wort mag ich, das reimt sich) u.a. unter Andy Strauß, Sebastian23 und Anke Fuchs. "Städtesommer" heißt mein Beitrag und den gibt es hier drinnen.

Einen Tag vor dem Urlaub war ich beim Zeise Open Air Slam im Rathaus Innehof in Altona. Das Ambiente war total edel und sowieso finde ich die Zeiseveranstaltungen jedesmal unglaublich gut. Mit dabei waren so tolle Poeten wie Thomas Langkau, Schriftsehler, Yasmin Hafedh und Bente Varlemann. In der ersten Runde sprach ich so einigen mit meinem Singletext aus der Seele und schaffte es ins Finale. Das Finale war etwas nagetierlastig. Jasper Diedrichsen machte den 1. Platz, Moritz Neumeier mit seinem faschistischen Eich-Höööööörncheeeeen den 2. Platz und ich mit meinem toten Nagetier Erwin den 3. Platz. Und dann hätte ich eigentlich noch ein paar Stunden schlafe können, bis es in den Urlaub ging, doch irgendwie kann ich vor langen Reisen nie schlafen. Das war schon immer so.

Zwei Wochen Norwegen. Zwei Wochen kaum Zivilisation, einen Ausblick direkt auf den Fjord und eine Menge Möglichkeiten meine blauen Gummistiefel zu tragen, nicht nur beim Bootfahren. Unten zwei aussagekräftige Bilder.

Norwegen-Statistik

  • 2 Sternschnuppen gesehen (bei einer zu spät gewünscht)
  • 5 Fische fangen und töten lassen
  • 2 Stunden am Stück gewandert (war gar nicht so schlimm)
  • 200 Fotos gemacht
  • 1nem politisch verfolgten Waschbären bei der Imigration nach Deutschland geholfen (Text drüber geschrieben)
  • 0 Elche gesehen; 2 davon waren braun
  • 4 Bücher gelesen
  • 124.000 Gedankengänge gehabt (nicht einen davon behalten)

Fazit: Dafür, dass ich ein Mathe-Idiot bin, hab ich ganz schön viele Zahlen im Text verwendet!

Juli - Stadtmeisterschaften & Feuerprobe

Der Monat der Meisterschaften und Feuerproben und mutigen nach vorne rennens, auch wenn da gar kein Weg war. Deshalb sollte man immer was zum asphaltieren dabei haben, zumindest Zeug zum Hängebrücken bauen, man kann ja nicht immer sicheren Boden erwarten. Dafür gibt`s dann eine Menge Adrenalin und überraschende Wendungen. So viel Himmel hochjauchzend und zu Tode betrübt mutet nicht mal ein Auto seinen Protagonisten zu. Nicht mal denen, die er nicht leiden kann.

Am 09. Juli fanden die Hamburger Stadtmeisterschaften im Club Festplatz Nord statt. Die Liste der geladenen Slammer las sich hervorragend: Thomas Langkau, Schriftstehler, Marque-Regnier Hübscher, Tobias Kunze, Bente Varlemann, Nico Semsrott, um nur einige zu nennen. Der Club war voll und die Atmosphäre genial. Der Club scheint prädestiniert für solche Veranstaltungen. Es war nur mal wieder ein unglaublich heißer Tag. Die Vorrunde meisterte ich zusammen mit Schriftstehler. Im Finale entschied sich, dass Schriftstehler der erste Hamburger Stadtmeister ist und da er ja schon ein Ticket zu den diesjährigen Nationals in Essen hat, heißt das für mich; Vizestadtmeisterin darf da jetzt auch hinfahren und Hamburg vertreten*freu* 

Am 17. Juli hatte mein Radioprojekt "Pop`n Poetry" beim Sylt Funk Feuerprobe. Wie aufregend. Bis dahin hatte ich soviel Ahnung von Radio, dass ich das Wort gerade mal richtig schreiben konnte. Zusammen mit Frieda Lohr habe ich eine kleine Sendung auf die Beine gestellt, in der wir Texte von Poeten und Songs von Singer-/Songwritern spielen und zwischendurch moderieren wir und lesen eigene Texte. In der ersten Sendung waren Schriftstehler und Spacemann Spiff zu Gast. Unsere Moderation entstand zwischen Bier und einer Flasche Wein; was sagt man denn so im Radio? Es hat unheimlich Spass gemacht und süchtig nach meeehr.

Die Schleswig-Holstein Meisterschaften fanden am 24. Juli in Lübeck im Filmhaus statt. Ein voller Kinosaal und die besten Slammer aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Da wurden ein paar Texte rausgehauen. In Erinnerung blieb mir auf jeden Fall Katharina Brutschers Text über ... also, das möchte ich hier nicht mal aussprechen, so schockiert und fasziniert war ich. Das Finale glich dem Kampf der Giganten; Schriftstehler gegen Moritz Neumeier und Bente Varlemann gegen Marque-Regnier Hübscher. Letztendlich ging Moritz Neumeier als erster Schleswig-Holstein Meister hervor und bekam einen riesigen Wanderpokal, der im nächsten Jahr wieder verteidigt werden will. Weiss nicht, wie er den nach Hause bekommen hat.

30. Juli, 8 Minuten Eimsbüttel, vooooolles Haus. Ich stand vor der Tür und guckte von draußen zu. War aber ein erfolgreicher zweiter Besuch; beendet mit dem 3. Platz und ner Tüte Keksen.

Abschließend betrachtet geht man ja davon aus, dass der Juli irgendwie der glorreiche Sommermonat sein sollte und nicht der Juni; wieder mal verarscht. Habe jetzt aber Gummistiefel. Ich mag meine Gummistiefel. Die sind blau und aus Gummi. Die haben vorne auch so lustige Bändchen zum fester ziehen und .......

Juni - Hitze, Fußball und alles im Freien

Was hat uns der Juni gebracht? Hitze, Fußball und Open Air Lesungen. Zeit für Badeseen und kaputte Klimaanlagen in den ICE`s. Aber ich beschwere mich ja gar nicht über 35 Grad im Schatten. Mir kann die Klimaerwärmung gar nicht schnell genug gehen, dann hab ich vielleicht auch bald einen Strand und das Meer in meinem Garten.

So begann der Monat auch gleich mit meinem zweiten Besuch beim VU`s Slam in den Hamburger Kammerspielen. Eine meiner absoluten Lieblingsbühnen, weil die Atmosphäre einfach großartig ist. Dieses mal fand der Slam nicht im Saal statt, sondern vorne in der Lounge. Ohne Mikro, nah am Publikum. Im Finale landete ich hinter Hanz auf Platz 2 und am 09. Juli darf ich den VU`s Slam bei den Hamburger Meisterschaften vertreten. Freu, freu, riesen Freude, freu. Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich freue?

Diesen Monat gab es auch wieder einen Themenslam im Museum für Kunst & Gewerbe im Spiegelsaal mit dem Thema "Selbstreflextion". Anfangs dachte ich "Mh, mach ich zwar ständig, aber ob ich die Ergebnisse jemanden mitteilen will? Mh." Themenvorgaben sind immer so eine Sache, haben aber den positiven Aspekt, dass man über Dinge schreibt, über die man sonst nie schreiben würde. Zum Beispiel Selbstreflextion, macht man, schreibt man aber selten drüber, Fußball, guckt man, schreibt man aber selten drüber, und Möbel, hat man, schreibt man aber... Jedenfalls haben Jasper Diedrichsen und Julia Engelmann einen Doppelsieg erzielt, ich hab mich nach der Erbsenwertung auf den Platz dahinter eingereiht und danach in einer stillen Ecke mich und den Abend reflektiert. Entweder ganz oder gar nicht. Das Thema war echt Programm.

Heimfeld, der Slam, bei dem ich es zum ersten Mal geschafft habe meinen vorangegangenen 1. Platz zu verteidigen. Mit Thomas Langkau, Arne Poek und Christian Bruns waren vier Poeten am Start. Im Finale bin ich ganz knapp vor Thomas gelandet. Dafür habe ich einen Roy Black Kalender gewonnen.*uiui* Sowas wollte ich schon immer mal haben. Und in "Schafe-zähl-PC-Spiel"*uiuiui* Arbeite noch am Highscore, schlafe aber vorher immer ein.

Danach ging es mit den Open Air Veranstaltungen los. Allen voran Lüneburg Parklokal Festival. Ein kleines Festival und super Wetter. Nachdem ich mir schon die Horrorszenarien der beiden vergangenen jahre anhören musste "Generell geht an dem Tag die Welt unter!" Na, wenn sonst nichts passiert. Habe keine Gumistiefel, hatte deshalb schon darüber nachgedacht im Notfall einfach Tüten über die Schuhe zu ziehen. Man tut was man kann, um sich zu schützen. Allerdings ließ uns der Weltuntergang im Stich. Es war einfach nur sonnig und warm. Zudem habe ich gelernt, wie man sich selbst ein Mikro einstellt. Dahin ist die gewohnte Abhängigkeit. Nach links aufdrehen, nach rechts zu. Wie bei allen Dingen in Deutschland. In England ist es angeblich anderherum. Oder muss man in England nach links ausdrehen und in...? Da ist sie wieder, die gewohnte Abhängigkeit. Marque-Regnier Hübscher hat den 1. Platz gemacht, danach kam ich und dann Kai Nesau.

Weiter gings mit dem Pinneberger Open Air Slam auf der Drosteiwiese, der kurzerhand zur Lesebühne im Freien umfunktioniert wurde und eine schöne Atmosphäre bei dem Wetter bot. Hatte ich schon erwähnt, dass es an dem Tag sehr heiß war?

Der Juni verabschiedete sich an einem WM freien Tag mit einem WM-Slam in Hannover. Ich glaube, in den Wochen hieß alles WM. WM-Party, WM-Rabatte, WM-Preise; nur gewonnen haben wir nicht. In der ersten Runde gab es die WM-Textvorgabe (aha, wieder ein Themenslam) und ich hab einfach mal mein ganzes Halbwissen zusammengeworfen, durchgeschüttelt und Wort für Wort aneinandergereiht. Ich dachte, wow, was für eine Zusammenhanglosigkeit, aber trotzdem ganz nett. Bis jemand meinte "Ist doch gar kein Halbwissen. Weisst doch schon eine Menge!". Das gab mir zu denken. Vielleicht weiss man ja manchmal doch mehr, als man denkt. Oder unbedingt wissen muss. Das kann man so oder so sehen. In der ersten Runde gewann ich gegen Dominik Bartels, der einen großartigen Text über Seniorenfußball las. In der zweiten Runde verlor ich knapp gegen Andy Strauß. Na gut, ich hatte in meinem Text nur einen Hamster ermordet, er seine Freundin, ich gebe mich geschlagen. Seine persönliche WM gewann Quichotte, mein Lieblingsfreestyler.

Dann kann ja der Juli kommen und noch mehr Sonne und weniger Fußball und die Meisterschaften und noch mehr Zugfahrten mit kaputten Klimaanlagen. Die persönliche Schmerzgrenze ist ja immer eine Frage der geistigen Haltung. Das kann man so oder so sehen. Was man nicht anders sehen kann sind Temperaturen jenseits von 30 Grad, das ist Fakt, das will ich gar nicht schön reden; da diskutiere ich auch gar nicht lange.